Persönliche Berichte

Zentralafrikanische Republik: „Ich verstecke mich nicht mehr“

Wie christliche Frauen das Trauma sexueller Gewalt überwinden

(Open Doors, Kelkheim) – Vergewaltigung ist eine ebenso perfide wie weit verbreitete „Waffe“ in Konflikten. Das lässt sich auch in der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) beobachten. Im vergangenen Jahr kam es immer wieder zu Angriffen von Rebellengruppen auf christliche Frauen. Wir geben zwei davon wieder. Bitte beten Sie um Gottes Heilung und Frieden für die Betroffenen. [Warnung: Der Bericht enthält Schilderungen sexueller Gewalt und kann belastend sein.]

Sechst Frauen sitzen im Kreis auf dem Boden beieinander
Jesus wirkt durch die Selbsthilfegruppen, wo Frauen in der Gemeinschaft Heilung erleben

Ehemänner zum Zusehen verurteilt

Am 26. Oktober 2024 überfielen und vergewaltigten bewaffnete Männer drei christliche Frauen und ein Mädchen in derselben Gemeinde. „Wir waren vier Frauen, drei Frauen und ein junges Mädchen von elf Jahren. Gegen elf Uhr vormittags, während wir arbeiteten, umzingelten uns bewaffnete Männer. Niemand konnte fliehen“, erklärt Maika*, 46 Jahre alt. Sie ist Diakonin in der örtlichen Baptistenkirche und zählt zu den direkt Betroffenen des schrecklichen Angriffs. „Wir Frauen wurden brutal behandelt und schließlich vor den Augen unserer Männer vergewaltigt. Sie hatten keine Kraft mehr [uns zu schützen]“, fügt sie hinzu.

Später wurden sie in das Lager der Rebellen gebracht. Maika erklärt, dass „die Männer als Träger und Helfer dienten, und wir Frauen waren wie Sexualobjekte. In den fünf Tagen konnten sie sich jederzeit an uns vergehen, und was es noch schlimmer machte, sie taten es vor unseren Ehepartnern.“ Nach fünf Tagen beschlossen ihre Peiniger, dass es Zeit war, sie gehen zu lassen. „Wir wurden zusammen mit den Männern in der Nähe von Kaga Bandoro freigelassen.“

Dauerhafte Folgen

Am 29. November 2024 überfiel und vergewaltigte eine andere Gruppe bewaffneter Männer die 63-jährige Marie* in der gleichen Gegend. Die Mutter von sieben Kindern arbeitete zusammen mit ihrem Mann auf ihrem Hof, als zwei bewaffnete Männer sie überraschten. Ihrem Mann gelang es zu fliehen, aber Marie konnte aufgrund ihres Alters und ihrer körperlichen Gebrechen nicht fliehen.

„Zwei bewaffnete Männer brachten mich in den Busch in der Nähe der Farm, wo sie mich vergewaltigten und mich hilflos zurückließen. Ich blieb mehrere Stunden liegen, weil ich nicht mehr laufen konnte und keine Kraft mehr hatte“, erinnert sie sich.

Als ihr Mann schließlich mit Helfern zurückkam, trugen sie Marie nach Hause. Für eine Behandlung im Krankenhaus fehlten ihnen die finanziellen Mittel. Marie überlebte mithilfe selbst hergestellter Medikamente auf pflanzlicher Basis. Doch sie kämpft bis heute mit gesundheitlichen Problemen.

Wie Jesus Heilung in der Gemeinschaft schenkt

Dies ist die Realität, der viele christliche Frauen in der ZAR ausgesetzt sind. Christen stellen zwar die deutliche Mehrheit der Bevölkerung; dennoch werden sie und die Kirche im weiteren Sinne immer wieder gezielt von bewaffneten Gruppen angegriffen, da sie sich in der Regel gewaltlos gegen die ideologische und in vielen Fällen islamistische Agenda dieser Gruppen stellen. Christliche Frauen sind besonders gefährdet. Durch Vergewaltigungen vor den Augen der Ehemänner und Kinder werden nicht nur die Frauen selbst erniedrigt, sondern oft genug auch die gesamte Familie traumatisiert. Am schlimmsten sind die Auswirkungen aber naturgemäß für die betroffenen Frauen selbst.

Wir organisieren deshalb vor Ort Seminare zur Traumabewältigung, in denen die Frauen lernen, ihr Trauma zu verstehen und auf biblischer Basis zu überwinden. Normalerweise gründen diese Frauen eine Selbsthilfegruppe, um sich auch nach dem Seminar weiterhin gegenseitig zu stärken. Aktuell gibt es in der ZAR über 20 solcher Gruppen, die von lokalen Partnerinnen betreut werden. Darin kommen Opfer sexueller Gewalt und Witwen zusammen, deren Ehemänner durch Milizen ermordet wurden. Die Rückmeldungen der Frauen belegen die heilsame Wirkung dieser Seminare und anschließenden Selbsthilfearbeit. Eine der Frauen sagte: „Dank dieser Gruppe schließe ich mich jetzt nicht mehr ein oder verstecke mein Gesicht.“

*Name geändert

Bitte beten Sie für die betroffenen Frauen und ihre Familien:

  • Klagen Sie Jesus das tiefe Leid, das solche Erlebnisse über die Christen in der ZAR bringen.
  • Danken Sie dem himmlischen Vater dafür, dass sein Trost stärker ist als jedes Leid (2. Korinther 1,3-7), und beten Sie, dass er den Frauen diesen Trost und seine Heilung schenkt.
  • Beten Sie für die Ehemänner und die Kinder der Frauen, dass auch sie tiefe Begegnungen mit Jesus haben und durch seine Liebe im Glauben gestärkt werden.
  • Beten Sie, dass Jesus den Verfolgern begegnet, so dass sie ihr Leben ändern und sich ihm anstelle des Bösen hingeben.

Vielen Dank für Ihr Gebet

Unser Gebet macht einen Unterschied – wie viel es unseren verfolgten Geschwistern bedeutet, lesen Sie hier

 

Weitere Themen

Länderprofil

Länderprofil Zentralafrikanische Republik

Weltverfolgungsindex 2025: Platz 27. Im Länderprofil lesen Sie, warum und auf welche Weise Christen in der Zentralafrikanischen Republik verfolgt werden und wie sich das konkret in ihrem Leben äußert.

Meldungen

Meldungen zur ZAR

Lesen Sie hier aktuelle Nachrichten und persönliche Berichte verfolgter Christen aus den Ländern des Weltverfolgungsindex, und abonnieren Sie unsere kostenlosen Formate.

Eine Mitarbeiterin von Open Doors betet für eine verfolgte Christin

Gebet ist das Erste, um das verfolgte Christen bitten – besonders wenn wir beten, spüren sie unsere Liebe und Unterstützung. Lassen Sie uns auf diese Bitte antworten!